Über Autounfälle liest man täglich, das schreckt niemanden mehr auf. Erst wenn es eine Massenkarambolage oder größere Busunfälle gibt, macht man sich mal wieder Gedanken über die Gefährlichkeit dieses Verkehrsmittels. An die vielen Toten jedes Jahr auf unseren Straßen, haben wir uns scheinbar bereits gewöhnt…

Bei Flugzeugabstürzen sieht das anders aus. Bei schweren Unglücken sind nicht „nur“ 4-5 Personen betroffen, im schlimmsten Fall gibt es hunderte Tote. Man geht automatisch davon aus, dass Flugzeuge besonders gut kontrolliert und gewartet werden, um Unfälle zu verhindern. Doch es scheint, als wäre das ein großer Irrtum!

Unfassbar

Stellen Sie sich vor, Sie bauen ein Fahrzeug. Um es benutzen zu dürfen, muss eine Behörde es zulassen. Und diese Behörde sagt dann, Sie sollen Ihr Fahrzeug, oder zumindest Teile davon, doch lieber selbst prüfen. Sie entscheiden also selbst, wie sicher das Fahrzeug ist und damit auch über einen wichtigen Teil des Zulassungsverfahrens.

Undenkbar? Nicht bei der amerikanischen Bundesluftfahrtbehörde (FAA). Denn genau so lief es bei der Zulassung der Boeing 737 Max ab! Teile der Prüfungen wurden einfach an Boeing ausgelagert.

Abstürze

Im Oktober 2018 stürzt eine fast fabriksneue Boeing 737 Max der Fluggesellschaft Lion-Air, in Indonesien ab. 189 Menschen fanden den Tod.

Ein weiterer Absturz fand im März 2019 in Äthiopien statt. Betroffen war wieder eine Boeing 737 Max. Hierbei starben alle 157 Personen an Bord.
Recht schnell wurden Parallelen zu dem Unglück im Oktober 2018 gezogen.

In Verdacht als Ursache für die Abstürze, steht das Stabilisierungssystem „MCAS“. 346 Tote durch ein Software-Problem…
Laut offiziellem Abschlussbericht der Ermittler, soll es 9 Faktoren gegeben haben, die zu dem Absturz nahe Jakarta geführt haben. Die Hauptkritik fällt jedoch auf das Steuerungsprogramm.

Im Mai 2019 hat Boeing selbst, Fehler an der Software für die 737 Max eingestanden. Entsprechende Korrekturen seien bereits vorgenommen worden.

Gewinn vor Sicherheit?

2 große Namen kämpfen um die Vorherrschaft unter den Flugzeugbauern. Und weder Airbus noch Boeing wären wohl so dumm, ihre Passagiere vorsätzlich in Gefahr zu bringen. Doch der Kosten- und Erfolgsdruck ist enorm!

Um den Fluggesellschaften maximalen Gewinn zu bringen, muss jedes Flugzeug so effizient und damit spritsparend wie möglich sein. Jedes eingesparte Kilogramm Gewicht spart Kerosin, jeder zusätzliche Sitzplatz sorgt für mehr Einnahmen. Neuentwicklungen sollen genau dafür sorgen. Doch je schneller Entwicklung und Bau ablaufen müssen, desto weniger Zeit bleibt für die Fehlersuche. Und mögliche Fehlerquellen gibt es sehr viele. So soll z.B. eine Boeing 747-8 laut Lufthansa Magazin, aus 6 Millionen Einzelteilen bestehen!

Es gibt unzählige Prüfungen und Kontrollen, die die perfekte Funktion der Flugzeuge garantieren sollen. Und doch wird es nie eine Hundertprozentige Sicherheit geben.

Konsequenzen

Während man sich bisher weitgehend auf die FAA verlassen hat, will zukünftig die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) alleine entscheiden, wann die 737 Max wieder für den Flugverkehr zugelassen wird.

Seit 12. März 2019 dürfen Flugzeuge dieses Typs in Europa nicht mehr eingesetzt werden. Seit 14. März 2019 besteht ein weltweites Startverbot.
Rechnete man ursprünglich mit wenigen Wochen sperre, wurde dieser Zeitraum immer wieder verlängert. Zum heutigen Tag ist weiterhin unklar, wann dieser Flugzeugtyp wieder abheben darf.

Im Dezember 2019 trat Boeings Vorstandschef Dennis Muilenburg zurück. Kurz darauf wurden „verstörende“ Emails bekannt. Darin hätten Mitarbeiter Sicherheitsbedenken geäußert.

Neue Probleme

Im Oktober 2019 wurden bei zahlreichen Boeing-Flugzeugen des Typs 737NG, Risse an einem Bauteil festgestellt. Dies führt dazu, dass die Flugzeuge nicht mehr abheben durften. Das Bauteil dient der Verbindung von Flügel und Flugzeugrumpf.

Bereits im Juni 2019 räumte Boeing ein, fehlerhafte Teile in seinen Flugzeugen verbaut zu haben. Auch die 737 Max soll davon betroffen sein. Die fehlerhaften Teile sollen zu den Tragflächen gehören, Absturzgefahr bestehe jedoch nicht.

Fazit

Es bleibt zu Hoffen, dass nie wieder so leichtfertig mit dem Leben von Passagieren gespielt wird. Die Probleme waren lange bekannt und hätten durchaus vor den katastrophalen Unfällen behoben werden können.

Dennoch kann man nicht generell sagen, dass Flugreisen unsicher sind. Vergleicht man die Unfallzahlen, sind Flugreisen weit sicherer als Autofahrten. Auch die oft aufgestellte Behauptung, Billigfluglinien wären unsicherer als andere, lässt sich nicht durch Daten belegen.

In Kürze soll die Boeing 737 Max auch in Europa wieder zum Flugbetrieb zugelassen werden. In den USA wurde das Flugverbot bereits aufgehoben. Sowohl Fluglinien als auch Behörden werden zukünftig ganz genau hinschauen und den Herstellern nicht mehr blind vertrauen.

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