Es gibt Dinge die hält man für unmöglich, bis man es selbst erlebt. So auch in diesem Fall. 20 Monate, ja richtig gelesen, 20 Monate warteten wir geduldig auf ein Haus zur Miete.
Das Ende vom Lied: Ein unfassbares Gespräch, kein Haus, viel Frust!

Es war ein sonniger Tag im August 2019. Ich saß mit 2 wirklich sehr netten Menschen zusammen, damals durfte man das noch. Wir sprachen über alles mögliche. Unter anderem auch darüber, dass meine Frauen und ich (wir haben eine Dreierbeziehung, aber das ist ein anderes Thema) ein kleines Haus im Grünen zur Miete suchen.

Zu schön um wahr zu sein

Die Frau meinte, sie hätten genau so etwas und ihr Mann könnte mir das Haus ja mal zeigen. Spontan stiegen wir ins Auto und fuhren los. Eine Stunde Fahrzeit voller Vorfreude vergingen wie im Flug. Und da lag es dann auch schon vor uns. Ein älteres Haus in L-Form, mitten im Nirgendwo. Rundum nur Wald und Wiese, im Umkreis von geschätzten 100 Metern kein Nachbar.

Das Haus war deutlich renovierungsbedürftig, das wollten die Vermieter aber alles noch selber erledigen. Außerdem gab es nur einen Holzofen, Trinkwasser nur aus dem eigenen Brunnen und im Winter laut deren Aussage bis zu 1 Meter Schnee. Nichts davon konnte mich abschrecken!
Der offerierte Mietpreis war überaus fair, ich durfte auch alles ausgiebig besichtigen und Fotos für meine Frauen machen. Es klang schon beinahe zu gut um wahr zu sein. Wie so oft im Leben war es das leider auch…

Zurück im Haus der möglichen zukünftigen Vermieter, setzten wir uns wieder zusammen und beredeten die Details. Vereinbart hatten wir, dass meine Frauen sich das Haus auch noch selber ansehen können sollten, damit wir alle 3 wirklich wussten, worauf wir uns einließen.
Aufgrund der vielen noch zu erledigenden Arbeiten sollten wir erst im Frühling 2020 einziehen können. Das war für uns absolut in Ordnung. Soweit sollte also alles geklärt sein.

Wie vereinbart besichtigte ich das Haus einige Wochen später noch einmal, diesmal gemeinsam mit meinen Frauen. Beide hatten sich schon anhand der Fotos in das Haus verliebt, der lange Fahrtweg konnte sie auch nicht abschrecken.

Foto: MSK News

Danach gab es noch ein Telefonat mit den zukünftigen Vermietern. Dabei wurde plötzlich ein um monatlich 100 EUR höherer Mietpreis genannt. Der Mann hätte mir angeblich einen falschen Preis genannt. Nun gut, der Preis war dennoch immer noch fair und somit für uns akzeptabel.

Im Frühling 2020 sollten wir uns wieder melden.

Frühling 2020

Innerlich hatten wir uns schon auf den Umzug eingestellt. Die Vorfreude war riesig!
Wir hatten genau geplant was wir alles mitnehmen würden, wie wir es mit unserer Arbeit vereinbaren würden und welche Möbel wir noch kaufen müssten. Endlich hätten wir Platz und Möglichkeiten unsere Träume zu realisieren, unsere Hunde hätten viel Platz, ich könnte mir eine kleine Werkstatt einrichten und meine Frauen die Ruhe genießen. Allerdings hatten wir uns zu früh gefreut!

Das Telefonat im März 2020 verlief, obwohl genau so geplant, relativ unfreundlich. Wir wollten nur, wie vereinbart nachfragen, ob es schon einen genauen Einzugstermin für uns gibt.
Antwort: Man werde sich von uns sicher nicht stressen lassen, es würde alles noch länger dauern und eigentlich hätten wir ja eher vom Sommer als vom Frühling gesprochen. OK!? Das traf uns unvorbereitet!
Interesse hatten wir natürlich weiterhin, also akzeptierten wir den rauen Umgangston und vereinbarten, dass wir uns im Sommer noch einmal melden.

Gewisse Zweifel hatten wir schon. Aber jeder kann ja mal einen schlechten Tag haben. Vielleicht hatte die Vermieterin an dem Tag auch einfach nur Ärger mit jemandem und wir bekamen es ab. Vielleicht wollten wir es uns aber auch einfach nur schön reden, im Nachhinein kann ich das nicht mehr so genau definieren.

Sommer 2020

So, jetzt aber! Es war endlich August, ein Jahr war seit der ersten Besichtigung vergangen. Seither hatten wir das Haus nicht mehr gesehen, doch die Fotos schauten wir uns natürlich des öfteren an. Die Vorfreude war weiter ungebremst.

Jedoch nur bis zu unserem vereinbarten Anruf. Die Corona-Pandemie wäre Schuld an Verzögerungen bei der Renovierung. Das Dach müsste erst noch ausgebessert werden, die Heizung würde nicht richtig funktionieren, der Brunnen wäre auch noch nicht gereinigt, das Hauswasserwerk deswegen also auch noch nicht durchgespült und getestet. Zusätzlich gebe es im Haus noch einiges zu tun, an einen Einzug wäre noch länger nicht zu denken. Man würde sich aber bei uns melden.

Foto: MSK News

Für uns war das wie ein Schlag in die Magengrube. Wieder umsonst gefreut, wieder umsonst geplant.
Vor allem fragten wir uns: Was zum Teufel habt ihr in den letzten 12 Monaten eigentlich gemacht? Offensichtlich nichts, denn sie hatte genau die gleichen Dinge aufgezählt die sie uns schon von Anfang an gesagt hat. Unsere Vorfreude war mittlerweile natürlich entsprechend gedämpft.

Es folgte eine interne Besprechung. Sollten wir uns wirklich noch länger hinhalten lassen? Würden die zwei überhaupt jemals fertig werden? Die Wohnung konnten wir kurzfristig kündigen, arbeitstechnisch konnten wir auch alles recht einfach lösen, also entschieden wir uns dafür, weiter zu warten. Ein Fehler wie sich herausstellen sollte.

Herbst 2020

Im späten Herbst 2020, innerlich hatten wir das Haus schon beinahe abgeschrieben, läutete unser Handy. Die Vermieterin war dran, gute Nachrichten waren es aber wieder nicht.
Das Haus war noch immer “nicht ganz fertig“. Achtung Spoiler: Diese Formulierung wird später noch wichtig! An einen Einzug 2020 war nicht mehr zu denken, es würde sich nicht mehr ausgehen.

Überrascht hat uns das natürlich nicht mehr, eine gewisse Enttäuschung war aber dennoch dabei. Wir verblieben mit der Vereinbarung, dass man uns im Frühling 2021 kontaktieren würde.
Die Vorfreude war komplett verflogen, die Enttäuschung nahm langsam überhand. Dennoch hatten wir das Haus noch immer nicht ganz abgeschrieben, nur unsere Erwartungen stark zurückgeschraubt.

Frühling / Sommer 2021

Im März 2021 wollten wir endlich Klarheit. Es reichte uns endgültig. Jetzt oder nie war unsere Devise! Darum hat meine Frau die Vermieterin noch einmal angerufen, abgehoben hat ihr Mann.

Das Haus wäre noch immer nicht fertig, es wären aber nur noch ein paar Dinge zu machen. Wir sollten uns im Mai 2021 wieder melden. Die Hoffnung auf das Haus war bei mir bereits im einstelligen Prozentbereich, bei meinen Frauen sah es auch nicht viel besser aus. Aber sie wollten noch immer nicht aufgeben. Na gut, wir hatten ja nichts zu verlieren, also warteten wir mal wieder…

Dann die große Überraschung. Anfang April rief die Vermieterin an!
Ob wir spontan Zeit hätten vorbei zu kommen. Im Freien, mit Abstand und selbstverständlich unter Einhaltung der Corona-Verordnung. Sie würde gerne mit uns die Details besprechen und dann könnten wir uns auch gleich das Haus im aktuellen Zustand ansehen.

Sonntag 10 Uhr in Oberösterreich: Sophie richtete uns noch schnell einen Snack, damit wir nicht mit leerem Magen losfahren mussten. Karin richtete alles notwendige zusammen. Ich beendete noch schnell meine begonnene Arbeit. Und dann saßen wir auch schon im Auto. Eine Stunde Fahrzeit lag vor uns.

Foto: MSK News

Das unfassbare Finale

Jetzt konnte doch wirklich nichts mehr schiefgehen, oder doch? Wir malten uns schon den Umzug und die Einrichtung aus. Überlegten wie wir alles schnellstmöglich schaffen könnten. Und prägten uns auch gleich den Fahrtweg ein. Die Strecke würden wir in Zukunft ja noch öfter fahren. Dachten wir zumindest!

Bei der Zufahrt zum Haus bemerkte ich gleich, dass die Dachschindeln ausgebessert wurden. Ein gutes Zeichen! Leider aber auch das einzige gute Zeichen! Denn was dann folgte war schlimmer als jeder Besuch der Schwiegereltern… Erinnern wir uns gemeinsam an “nicht ganz fertig“.

Im Haus hatte sich quasi gar nichts positiv geändert. Der Dachboden zugemüllt, das 2. Badezimmer eine komplette Baustelle, nicht einmal die Wände im Bad waren verputzt oder gefliest. Am Dachboden alles voller Kothaufen, vermutlich von einem Marder oder ähnlichem Tier.
Die Wohnküche zugestellt mit Möbeln die vorher noch nicht da waren, sogar ein Bett stand nun darin. Das konnte nichts gutes verheißen!
Und es wurde nicht besser. Der Ofen war noch immer nicht ausgetauscht bzw. repariert, nur ein neuer Kamin eingebaut, die Heizung aber nicht angeschlossen. Der Brunnen war auch noch nicht gereinigt, das Hauswasserwerk nicht gespült und getestet. Dafür war die Garage nun mit Baumaterial und alten Fahrzeugen zugestellt. Selbst auf Terrasse und Balkon lagerte ungeschützt Material. Was verdammt noch mal sollte das?

Ich dachte, schlimmer kann es ja jetzt nicht mehr kommen, doch weit gefehlt! Im Gespräch mit der Vermieterin, ihr Mann war dabei hatte aber nichts zu melden, hieß es nun plötzlich wieder, das Haus wäre noch lange nicht fertig. Außerdem, an dem Punkt bin ich übrigens innerlich ausgezuckt, wäre sie noch gar nicht sicher ob sie das Haus überhaupt vermieten würde und es gäbe auch andere Interessenten.
Dann meinte sie, man könne das Haus ja zumindest 1-2 Monate gemeinsam nutzen, sie könne sich nämlich nur schwer davon trennen. Ah ja… darum stand es auch 10 Jahre lang leer und sieht nun so aus!?

Minuten später dann die nächste Ansage. Die Hälfte der Garage und einen Teil des Hauses würde man fürs erste weiter benutzen müssen, später dann würden wir eh alles mieten können. Ähh? Was?
Meine Frauen versuchten äußerlich ruhig zu bleiben, innerlich kochten sie bereits auf höchster Stufe! Das war mehr als offensichtlich und absolut verständlich. Ich selbst versuchte noch immer krampfhaft freundlich zu bleiben, irgendwie eine vernünftige Lösung zu finden.

Mit meiner Freundlichkeit war aber schlagartig Schluss, als die Vermieterin meinte, vor Juni 2021 gäbe es sowieso keine Entscheidung. Es könnte aber auch noch länger dauern. So hätten wir die Gelegenheit es uns noch mal zu überlegen ob wir es wirklich mieten wollen. HALLO??? Wir warteten nun schon 20 Monate, wir brauchten keine Bedenkzeit sondern verdammt noch mal endlich ein Datum für den Einzug!

Als sie dann noch meinte, wir hätten an diesem Sonntag nun ja den Weg und das Haus wieder gesehen, könnten jetzt also überlegen ob wir den langen Weg tatsächlich in Kauf nehmen würden und hätten auch einen schönen Ausflug gehabt, hatte ich endgültig genug. Außerdem hatte ich Angst, dass meine Frauen die Vermieterin in tausend Fetzen reißen. Wir verabschiedeten uns rasch und gingen.

Der lange Weg nach Hause

Am Weg nach Hause, immerhin wieder eine ganze Stunde, hatten wir ausreichend Gesprächsstoff. Das meiste davon kann ich an dieser Stelle nicht wiedergeben, viele freundliche Worte hatten wir für das Paar nämlich nicht übrig. Das dürfte nach den ganzen Erlebnissen allerdings kaum jemanden überraschen.

Auch dürfte es niemanden überraschen, dass wir noch am selben Abend endgültig telefonisch abgesagt haben. Tatsächlich trauern wir dem Haus noch immer hinterher, doch irgend wann muss einfach Schluss sein.

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