Bei einer Anhaltung am 28. November 2020 um 6:15 Uhr auf der A8 im Gemeindegebiet Peterskirchen, Fahrtrichtung Deutschland, kontrollierte eine Streife der Autobahnpolizeiinspektion Ried einen irakischen Staatsangehörigen. Dabei stellten die Beamten fest, dass der Mann sieben illegal aufhältige Syrer Richtung Deutschland schleppen wollte.

Der Verdächtige wurde wegen des Verdachts der Schlepperei festgenommen und über Anordnung der Staatsanwaltschaft Ried in die Justizanstalt eingeliefert.
Das Landeskriminalamt OÖ konnte ermitteln, dass es sich bei dieser Schleppung um eine Konvoischleppung mit insgesamt drei Pkw handelte. Die anderen zwei Pkw mit acht weiteren illegal aufhältigen Syrern konnten nach Deutschland ausreisen.

Zusammenarbeit mit deutschen Stellen

In Zusammenarbeit mit einer Vielzahl an österreichischen und deutschen Dienststellen stellte sich heraus, dass der Iraker für eine hierarchisch strukturierte, autonom handelnde Zelle aus dem Raum Nürnberg in Deutschland tätig war.
Die meisten Mitglieder der Zelle sind junge syrische Männer im Alter von 18 bis 28 Jahren, die in den Jahren 2015 und 2016 nach Deutschland migrierten.
Die Mitglieder der Zelle kamen in regelmäßigen Abständen von Deutschland ausgehend nach Wien zu einem Hotel oder zu Wohnungen, wo schleppungswillige Personen untergebracht waren. Sie organisierten Fahrer, welche die Schleppungen nach Deutschland durchführten. Sie selbst schleppten auch. Für die Schlepperfahrten stellten sie auch Fahrzeuge zur Verfügung und überstellten diese nach Wien.

Neben dem Rekrutieren von Fahrern, Bereitstellen von Fahrzeugen und Durchführen von Fahrten, führten sie auch Späh- und Begleitfahrten durch.
In Wien pflegte die „Nürnberger Zelle“ Kontakte zu weiteren Hintermännern, die Gruppen von schleppungswilligen Migranten für die Weiterschleppung vorbereiteten. Die Ermittlungen gegen diese Hintermänner dauern noch an.

Mindestens 92 Personen geschleppt

Insgesamt konnten der „Nürnberger Zelle“ inklusive den Fahrern und Hintermännern im Zeitraum vom 1. Oktober 2020 bis zum 17. Jänner 2021, 13 Fahrten zugeordnet werden, bei denen sie mindestens 92 Migranten, die sich illegal im Bundesgebiet aufhielten, nach Deutschland schleppten oder dies versuchten.
Bei 92 Migranten entspricht dies, bei Annahme eines pro Person an die gesamte Organisation zu leistendes Schleppungsentgelts von 8.000 Euro, einer unrechtmäßigen Bereicherung in der Höhe von mindestens 736.000 Euro.

In Zusammenarbeit mit deutschen Kollegen konnten bislang fünf Mitglieder der „Nürnberger Zelle“ festgenommen werden.
Die Ermittlungen gegen weitere Hintermänner sind noch am Laufen.

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