Es gibt Dinge, über die macht man sich einfach keine Gedanken. Zumindest so lange, bis man ein unlösbares Problem hat! Und genau das kann Ihnen beim Kauf von Software-Lizenzen passieren. Ohne eigene Schuld geht plötzlich nichts mehr, das Geld ist weg und man steht ohne Hilfe da.

Leider kann es jeden Computernutzer treffen, egal ob privat oder als Unternehmen. Auch ich hatte schon mehrere solche Fälle. Mein Schaden beträgt insgesamt mehrere Tausend Euro, Ersatz bekommt man keinen. Man vergisst nämlich recht schnell, dass man gar nicht sie Software kauft sondern eine Lizenz um diese Software nutzen zu dürfen. Das ist bei weitem nicht das gleiche. Außerdem sichern sich die Hersteller rechtlich sehr gut ab.

Im folgenden zeige ich anhand meiner eigenen Erfahrung, womit man im schlimmsten Fall konfrontiert wird.

Data Becker

Wenn man schon online einkauft, dann doch sicherheitshalber bei einer großen und bekannten Firma. Richtig? Richtig! Eigentlich… Hat mir nur leider nichts gebracht, denn meine Einkäufe bei Data Becker waren ein Griff ins Klo.

Die Firma wurde 1981 gegründet und war relativ bekannt. Ich habe damals verschiedene Softwaretitel dort gekauft. Eines Tages im Dezember 2014 jedoch brauchte ich ein neues Notebook. Das alte war defekt, ließ sich nicht mehr einschalten, eine Reparatur lohnte sich nicht.

Die Neuinstallationen der ganzen Programme dauerte zwar einige Zeit, war aber nicht sonderlich schwierig. Doch als ich das erste Programm startete, die böse Überraschung. Es kam eine Meldung, dass der Lizenzserver nicht erreichbar wäre, man solle doch die Internetverbindung kontrollieren.
Das habe ich natürlich gemacht, hat nur leider nichts gebracht. Also habe ich im Internet nach einer Lösung für das Problem gesucht und so ganz nebenbei erfahren, dass Data Becker seit März 2014 nicht mehr existierte. Es wurden also auch die Server abgeschaltet und somit konnte die gekaufte Software nicht mehr aktiviert werden obwohl es anders lautende Meldungen dazu gab.

Im Endeffekt hatte ich 2 Möglichkeiten: Im Internet nach illegalen Versionen meiner Programme suchen oder auf andere Programme umsteigen. Ich habe mich für letzteres entschieden.

Ribbl

Ribbl ist eine Community Software mit der man recht einfach eine Webseite erstellen konnte, die zumindest in Grundzügen, an Facebook erinnert. Das ist eine tolle Sache um sich innerhalb einer Firma oder eines Vereins auszutauschen. Verschiedene – kostenpflichtige – Module erweitern die Funktionen enorm. So lässt sich ein Forum betreiben, Newsletter verschicken und vieles mehr. Klingt gut? War es auch! War? Ja leider.

Denn von großen Versprechen blieb über Nacht nicht mehr viel übrig. Eines Tages erschien auf der Webseite nämlich folgende Meldung:

Liebe Kunden, um es kurz zu machen: Wir müssen Ribbl einstellen. Bestehende Installationen werden weiterhin funktionstüchtig bleiben, jedoch wird das Produkt nicht weiterentwickelt.

https://my.ribbl.com/

Was im ersten Moment nicht so tragisch klingt, ist bei näherer Betrachtung, zumindest für die meisten Nutzer, eine mittlere Katastrophe. Denn das heißt:

  • Fehler (davon gab es viele) werden nicht mehr behoben
  • Es gibt keine Funktions- und Sicherheitsupdates
  • Über kurz oder lang wird die Software unbrauchbar

Der letzte Punkt ist insofern ein Problem, da z.B. die PHP Version 7.2 (oder höher) nicht mehr unterstützt wird. Zur Information, mittlerweile sind wir bei Version 8.0!

Zum Zeitpunkt der Einstellung hatte ich bereits mehr als 1.000 Euro in die Software investiert. Einerseits für Lizenzen, andererseits auch für individuelle Anpassungen. Alleine das Basissystem kostete schon 200 Euro. Doch das alles war über Nacht quasi nichts mehr wert. Es lohnt sich einfach nicht auf ein System zu setzen, dass weder als Open Source freigegeben noch weiterentwickelt wird. So bin ich dann bei WordPress gelandet

CSS Group® Kassensoftware

Knapp 400 Euro ist für eine Kassensoftware wirklich nicht teuer. Vor allem wenn man den Funktionsumfang berücksichtigt, den diese Software bietet. Warenwirtschaft, Kundenverwaltung, Schnelltasten uvm. geht super einfach.
Das klingt jetzt wie ein Werbetext für die Software. Könnte es eigentlich auch sein, würde man als Kunde nicht plötzlich vor Problemen stehen, die den gesamten Geschäftsbetrieb lahmlegen!

Die ersten Jahre lief alles recht gut. In dieser Zeit hatte ich hunderte Kunden, Lieferanten und über 10.000 Artikel im System angelegt. Da möchte man natürlich nicht mehr wechseln, der Aufwand wäre enorm.
Mit der Registrierkassenpflicht und den damit verbundenen gesetzlichen Änderungen in Österreich wurde ein Update angeboten welches zu bezahlen war. Hier zeigte sich zum ersten Mal ein technisches Problem. Verkauft wird die Software nämlich von Vertriebspartnern. Im Zweifel wird man hin und her geschickt bzw. muss auf Rückmeldung warten.

Dann wurde eine neue Kassenversion veröffentlicht und zack, ich saß in der Falle. Denn plötzlich wollte die Kassensoftware bei jedem Start eine Internetverbindung um die Lizenz zu überprüfen. Es kam die Meldung, meine Lizenz wäre nicht mehr gültig. Und das an einem Wochenende, kein Support erreichbar und ich war nicht vor Ort. Somit konnte meine Mitarbeiterin das Geschäft nicht öffnen, die Kasse ließ sich ja nicht mehr starten!

Laut Support sollte die Software die Lizenz “nur“ alle 7 Tage überprüfen, dass stimmte in meinem Fall aber definitiv nicht. Mein Kassenrechner sollte aus Sicherheitsgründen nicht mit dem Internet verbunden sein, darum versuchte ich über den Support eine Lösung zu finden. Aber statt einer Lösung gab es nur freche Antworten.

wir haben Ihre Lizenz nicht abgeschaltet. Dies hat einfach mit der Tatsache zu tun, dass wir unsere Systeme umstellen … Es lässt sich nicht an der neuen Technik bezüglich Online / Offline ändern. Ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, aber Sie haben mit der Installation und Aktivierung unsere Lizenz und Aktivierungsbestimmungen zugestimmt. Un diese beinhalten unter anderem, dass es in unserer Entscheidung liegt Aktivierungsverfahren den technischen Standards anzupassen.

Antwort CSS Group®

Diese Antwort stellte mich natürlich nicht zufrieden. Daher fragte ich noch einmal nach einer Lösung. Konkret wollte ich wissen:

  • Warum wurden Ihre Kunden nicht aktiv benachrichtigt, dass zukünftig eine Internetverbindung nötig ist?
  • Hat es keinen kundenfreundlicheren Weg gegeben als über Nacht die Lizenz abzuschalten um so ein Update zu erzwingen? Immerhin wurde damit mein Geschäft stillgelegt!
  • Bieten Sie mir eine Möglichkeit, den Onlinezwang abzuschalten?

Wir denken nicht, dass wir diesbezüglich unseren Lizenznehmern rechenschaftsplichtig sind. Es ist eine Entscheidung der Geschäftsführung und deren Gesellschaftern. … Wir haben vorab Informationen auf unserer Internetseite bereitgestellt. Da der Gesetzgeben eine neue Datenschutzgundverordnung erlassen hat, konnten wir Lizenznehmer nicht per Mail anschreiben.

Antwort CSS Group®

Und weiter heißt es:

Sie als Lizenznehmer haben keine Geschäftsbeziehungen zur CSS Group, sondern nur zur Firma bei der Sie die Lizenz erworben haben. … Die von uns erworbene Technik (Drittherrsteller) zur Lizenzverwaltung erlaubt keine andere Möglichkeit. Wir haben dieses Verfahren nur auf unseren gesicherten Servern implementiert.

Antwort CSS Group®

Auf Deutsch übersetzt heißt das: Halts Maul und besorg dir ne Internetverbindung. Wie du das machst ist uns doch egal. So kam es zumindest bei mir an. Nach 9 Jahren als Kunde hatte ich etwas mehr erwartet!

Im Zuge der Recherchen für diesen Artikel bin ich übrigens auf einen Vertriebspartner gestoßen der das Kassensystem mit “Kassieren ohne Internet“ bewirbt. Ob das Geschäftsgebaren doch noch verändert wurde oder es einfach eine Falschinformation ist, spielt für mich allerdings keine Rolle mehr. Darum habe ich das auch nicht näher geprüft.

Fazit und Tipps

Oftmals gibt es Open Source Software mit ähnlichem Funktionsumfang. Die ist nicht nur kostenlos, der Programmcode ist auch frei einsehbar. Das Programm kann somit von anderen Personen weiterentwickelt werden.

Wo immer das möglich ist, sollte man Software kaufen, die nicht online freigeschaltet werden muss. Am besten informiert man sich dazu vor dem Kauf beim Hersteller bzw. Vertreiber.

Auch wenn das, wie in meinem Fall, keine Garantie ist, sollte man sich möglichst an große Hersteller halten. Die Gefahr, dass die gekaufte Software über Nacht nutzlos oder unbrauchbar wird, ist da deutlich geringer.

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