Nachdem unser gutes altes Microsoft Surface Tablet schön langsam am Ende seiner Lebensdauer angekommen war, haben wir uns nach einer passenden Alternative umgesehen. Doch dieses Mal sollte es ein Gerät ohne Windows-Betriebssystem sein. Zu oft wurden wir während der Arbeit durch Fehler und Zwangsupdates unterbrochen.

Unsere Anforderungen sind schnell erklärt: Ein Gerät mit großem Display, Bluetooth, WLAN, GPS und Stifteingabe. Der Akku muss ausreichend Kapazität besitzen um den ganzen Tag durchzuhalten. Das heißt, mehrere Kundentermine mit Präsentationen, Notizen und Skizzen. Dazwischen noch neue Meldungen online stellen. Falls Wartezeiten entstehen, erledigen wir auch noch gleich die anfallende Büroarbeit.. Da kommen täglich etwa 5-7 Betriebsstunden zusammen.

Genauso wichtig ist uns ein leistungsstarker Prozessor, der allerdings auch sparsam sein soll. Da unser Surface Tablet noch über ein recht unpraktisches Ladegerät mit 230V Stecker verfügt, wollten wir auch das ändern. Zukünftig sollte unser Tablet über USB geladen werden können, falls der Akku doch einmal schlapp macht.

Schwere Entscheidung

Fündig geworden sind wir bei Samsung. Schnell war klar, es soll ein Galaxy Tab S7 mit Android 10 werden. Aber welches?

Zur Auswahl standen:

Alle Modelle gab es mit 128GB oder 256GB Speicher. Alle hatten auch ein 120Hz Display, Platz für eine SD-Karte und einen S Pen. Jedoch haben die S7+ Modelle einen 12,4 Zoll großen Bildschirm, die S7 Modelle hingegen “nur“ ein 11,0 Zoll Display. Die etwas höhere Akkukapazität (10.090 gegenüber 8.000 mAh) bringt übrigens keinen Laufzeitvorteil, dass größere Display benötigt auch entsprechend mehr Energie.

Die Entscheidung fiel uns nicht einfach, schlussendlich einigten wir uns jedoch auf das Galaxy Tab S7+ Wi-Fi. Für das häufige Arbeiten mit Grafiken und das schreiben langer Texte ist das etwas größere Display von Vorteil. Die 5G Variante war für unsere Zwecke übrigens nicht sinnvoll. Da wo wir oftmals unterwegs sind, ist der 5G Ausbau noch lange nicht geplant. Außerdem können wir ganz bequem eine Verbindung mit unseren Samsung Galaxy S21 Ultra Smartphones herstellen und diese als Hotspot nutzen.

Hinweis: Wir haben das Gerät nicht zur Verfügung gestellt bekommen. Sowohl das Tablet als auch sämtliches Zubehör haben wir selbst bezahlt!

Unboxing

Die Box ist nichts besonderes. Sie wirkt auf uns schlicht, um nicht zu sagen billig. Nun gut, wir hatten nie vor die Box aufzuheben, dass stört uns also nicht weiter.

Foto: Fellner Manfred / MSK News

Kommen wir lieber zu den wichtigen Dingen. Neben dem Tablet befindet sich in der Verpackung noch der Samsung S Pen, ein USB Kabel und ein Ladegerät. Ja, ein richtiges Ladegerät! Beim Kauf unserer Galaxy S21 Ultra Geräte hatten wir diese schmerzlich vermisst. Unsere alten Ladegeräte brauchen eine halbe Ewigkeit um die Smartphones zu laden.

Den Akku des Tab S7+ über unsere alten Ladegeräte zu laden, hätte laut Anzeige etwa 11 Stunden gedauert. Mit dem mitgelieferten Ladegerät dauert es gerade einmal etwa 90 Minuten!

Natürlich wird auch noch eine Kurzanleitung und ein Spezialtool zum einlegen einer Speicherkarte mitgeliefert. Das ist auch schon alles, mehr braucht man allerdings für den Start auch gar nicht.

Eine SD-Karte wird man, insbesondere bei der Version mit 256GB Speicher, für die wir uns entschieden haben, fürs erste nicht vermissen.

Foto: Fellner Manfred / MSK News

Aller Anfang ist nervig

Wir drücken den Einschaltknopf und sind begeistert. Das Display ist ordentlich hell, die Schrift erscheint gestochen scharf. Auch die Farben sind satt und klar, kein Vergleich mit unserem ca. 5 Jahre alten Notebook.

Als nächstes wartet auch schon der Einrichtungsassistent auf uns. Wir wählen unsere bevorzugte Sprache, und ein WLAN-Netzwerk aus, werden nach einigen Dingen gefragt und müssen den Nutzungsbedingungen zustimmen. Bis hierher alles wie gehabt, welcher Nutzer moderner Geräte kennt das nicht? Was dann folgt ist allerdings unnötig, nervig, ja schon beinahe so anstrengend wie ein Besuch bei den Schwiegereltern…

Foto: Fellner Manfred / MSK News

Gerade hat man die Einrichtung des Android Betriebssystems hinter sich gebracht und möchte endlich loslegen, will auch Samsung entsprechende Informationen und Berechtigungen. Danach folgen jede Menge Updates über Google Play und den Samsung Galaxy Store. Eigentlich ist das gar keine schlechte Sache. So ist man beim Start gleich am neuesten Stand, bekannte App-Fehler sind oftmals schon behoben.

Doch leider, sowohl Google als auch Samsung müllen das Tablet vor der Auslieferung mit allen möglichen Apps zu. Manche davon sind wirklich nützlich, das meiste jedoch eher nicht. Der Update-Vorgang wird dadurch unnötig in die Länge gezogen. Etwas über 1 Stunde hat es bei uns gedauert.
Einige der ungewollten Apps konnten wir problemlos deinstallieren, andere zumindest deaktivieren. Viele vorinstallierte Apps sind jedoch hartnäckig und lassen sich nur durch tiefe Systemeingriffe entfernen. Davon raten wir jedoch dringend ab, da man so auch die Garantie verliert!

Die notwendigen Accounts sind erstellt, alle App-Updates installiert und unnötige Apps entfernt. Nun kann es aber endlich losgehen. Ähhhm… naja… theoretisch schon. Praktisch erscheint nun aber eine Meldung über ein anstehendes Systemupdate. Das muss man nicht sofort vornehmen, wir würden es jedoch empfehlen. Denn durch das Update können Apps überschrieben und bereits vorgenommene Einstellungen geändert werden. Dann also lieber gleich, bevor man etwas doppelt machen muss. Etwa 15min muss man dafür einplanen.

Endlich geht es los

Da man die ganze Prozedur in der Regel nur ein einziges Mal durchläuft, ist es gerade noch erträglich. Nun aber schnell einen ersten Blick auf die Apps geworfen. Wer ein Android-Smartphone besitzt, wird sich umgehend auf dem Tab S7+ zurecht finden. Alles sieht aus wie wir es erwartet hatten, nur deutlich größer und klarer.

Neben dem Einschaltknopf besitzt das Tablet nur noch Tasten für die Lautstärkeregelung. Die sind gut platziert und weder bei der Benutzung im Hoch- noch im Querformat im Weg.

Nun war der S Pen an der Reihe. Dieser kann magnetisch an der Rückseite des Tablets aufbewahrt und geladen werden. Der Stift hält absolut sicher und es gibt sogar die Möglichkeit sich Erinnern zu lassen, wenn man sich zu weit davon entfernt.
Es gibt keine merkbare Verzögerung bei der Eingabe und der Stift liegt gut in der Hand. Texteingabe und Zeichnen klappen so gut, als hätten wir schon immer mit einem Eingabestift gearbeitet. Nur die Stift-Taste könnte nach meinem Geschmack gerne ein bisschen mehr hervorstehen.

Leistungstest

Viel wichtiger ist aber natürlich die Leistungsfähigkeit des Tablets.

Da jeder Nutzer andere Anforderungen hat, haben wir uns dazu entschieden, sowohl die Apps und Spiele zu testen die häufig heruntergeladen werden, als auch die, die wir selbst benutzen.

Diese Apps müssen natürlich reibungslos laufen.
Dank leistungsstarkem Qualcomm Snapdragon 865 Prozessor und 8GB Arbeitsspeicher, hatten wir da aber keine großen Bedenken.

Der vorinstallierte Webbrowser von Samsung lädt die aufgerufenen Seiten schnell und zuverlässig. Gleiches gilt für den von uns installierten Firefox. Ruckler oder merkbare Verzögerungen beim laden, wie wir es von unserem alten Tablet gewohnt waren, kommen gar nicht vor. Auch die Texteingabe, ob über Bildschirmtastatur oder Handschrifterkennung, läuft sehr flüssig,

Auch bei der Wiedergabe von Musik und Videos zeigt das S7+ keine Schwächen. Alles läuft flüssig, der Ton ist klar und deutlich. Da bleibt nur noch der Härtetest. Wir installierten mehrere aktuelle Spiele aus dem Google Play Store und testeten sie ausgiebig. Ob Simulation oder Rennspiel, auch hier gab es absolut nichts zu meckern. Das liegt natürlich auch an dem 120Hz Display.

Die Kamera lässt sich blitzschnell starten und bietet viele Einstellungsmöglichkeiten. Dazu kommen spezielle Modi wie z.B. Panorama- und Nachtaufnahme. Auch die Frontkamera ist ordentlich und ermöglicht damit vernünftige Selfies und Videokonferenzen.
Einzig die Zoomfunktion kann uns so gar nicht überzeugen, dazu später mehr.

Nahaufnahme mit Tab S7+ – Foto: Fellner Manfred / MSK News

Bluetooth und WLan-Verbindungen funktionieren tadellos. Ob Tastatur, Lautsprecher oder Drucker, Verbindungsprobleme hatten wir nie. Selbst die Steuerung der Parrot Anafi Drohne klappte auf Anhieb. Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, doch bei so manchem Smartphone hatten wir insbesondere mit Parrot Geräten diverse Probleme.

Bleibt noch die Frage, wie der Akku unsere ganzen Tests überstanden hat. Hier kann das Tab S7+ positiv überraschen. Selbst nach mehreren Stunden zeigte das System noch mehr als 1/3 Restladung an. Mit den entsprechenden Einstellungen kann man hier sogar noch deutlich mehr herausholen.

Unser Fazit: Das Warten während der nervigen Einrichtungsphase hat sich gelohnt!

Nicht perfekt, aber fast

Wir sind mit dem Samsung Tab S7+ absolut zufrieden, würden nicht mehr ohne das Tablet arbeiten wollen. Dennoch gibt es an dem Gerät auch Dinge die uns nicht so gut gefallen.

Dazu zählt zuallererst der fehlende Schutz vor Staub und Feuchtigkeit. Zumindest gibt es darauf keine Hinweise. Für den harten Outdooreinsatz ist dieses Tablet allerdings sowieso nicht gedacht. Dafür hat es andere Qualitäten.
Etwas Abhilfe schafft eine stoßfeste Schutzhülle. Für eine Wandertour reicht das, ganz dicht bekommt man das Gerät jedoch auch damit nicht!

Die Kamera ist für ein Gerät in dieser Klasse absolut in Ordnung. Auch Nahaufnahmen gelingen fast immer. Doch die Zoomfunktion lieferte bei unseren Tests nur mittelmäßige bis richtig schlechte Ergebnisse. Das gilt vor allem bei unruhigen Motiven und ab einem 4fachen Zoom.

Unser letzter Kritikpunkt betrifft die installierten Samsung Apps. Diese sind teilweise furchtbar aufdringlich was Updates, neue Funktionen und Benachrichtigungen angeht.
Das hat schlussendlich dazu geführt, dass wir unseren Samsung Account am Gerät deaktiviert haben und den lästigen Apps das Recht auf Benachrichtigungen entzogen haben.

In Kombination damit, dass sich viele Apps gar nicht deaktivieren bzw. komplett deinstallieren lassen, hat man manchmal das Gefühl, nur Nutzer aber nicht Besitzer des Geräts zu sein. Samsung wird sich damit langfristig keinen Gefallen tun.

Hat man die Apps erst einmal gezügelt, hat man ein leistungsstarkes und zuverlässiges Arbeitsgerät an der Hand, welches wir nicht mehr missen wollen würden!