Früher oder später stolpert man in Prepper-Foren auf ein heiß diskutiertes Thema: Kann man einen ganzen Raum nur mit Kerzen heizen?

Die Meinungen dazu gehen weit auseinander. Häufig liest man:

  • Die Heizenergie der Kerzen reicht nicht
  • Die Kerzen verbrauchen zu viel Sauerstoff
  • Ja, man kann einen kleinen Raum problemlos heizen
  • Ja es geht, aber man braucht viele Kerzen
  • Sinnlos weil viel zu teuer

Reizvoll klingt es ja schon. Bei Stromausfall oder einem Defekt der Heizung, stellt man einen Kerzenofen auf und schon bleibt der Raum schön warm. Aber kann das wirklich klappen?

Video

Video: Survivalplan.at

Bauanleitung

Wieder einmal wollten wir es genau wissen und haben es selbst getestet.
Begonnen haben wir mit dem Bau eines eigenen Kerzenofens. Dazu benötigten wir:

Edelstahl würde sich übrigens besser eignen, da es stabiler ist, doch für unseren Versuch reicht die Alu-Variante vollkommen aus. Aluminium schmilzt erst bei 660°, so heiß wird unser Kerzenofen auf keinen Fall.
Häufig werden auch Blumentöpfe und Untersetzer aus Terrakotta (Keramik/Ton) verwendet. Diese benötigen etwas mehr Zeit um sich zu erhitzen, halten die Wärme dafür aber auch länger. Das Prinzip kennt man von den Steinplatten beim Raclette.

Der Bau ist denkbar einfach. Zuerst bohrt man in den Teller und den Topf genau mittig ein Loch für die Gewindestange. Damit die Stange später bequem im Topf transportiert werden kann, schneidet man sie auf den inneren Topfdurchmesser zu. In unserem Fall sind das 17cm. Achten Sie bei der Länge der Gewindestange darauf, später ausreichend Platz für einen einfachen Kerzenwechsel zu haben.

Eine Mutter kommt auf das untere Ende der Gewindestange, darauf der Teller. Danach wieder eine Mutter um den Teller zu fixieren. Oben geht man beim Topf genau so vor.
Also erst die Mutter aufschrauben, den Topf mit der Öffnung nach unten aufsetzen und dann die 2. Mutter zur Fixierung aufschrauben.

Die Kerzenheizung würde aufgrund der Mutter nicht gerade stehen. Darum nutzen wir die restlichen 4 Muttern als Standfüße und befestigen diese mit 2K Kleber am Teller.

Auch die mittlere Mutter kleben wir unten am Teller fest. Für höhere Stabilität kann man auch die 2. mittlere Mutter, oben am Teller festkleben. So hat man beim Transport auch weniger Einzelteile.

Um einen, für uns neuen, Kleber zu testen, haben wir eine der Muttern mit einem Schweißnaht Kleber befestigt.

Am Ende sieht es dann so aus:

Foto: MSK News

Kosten

Da wir unser altes Campinggeschirr ausgeschlachtet haben und noch etwas 2K Kleber übrig war, mussten wir nur noch Teelichter (100 Stück), die Gewindestange und passende Muttern kaufen. Insgesamt haben wir so unter 10 Euro bezahlt!

Unser Test

Um brauchbare Ergebnisse zu erhalten, haben wir als erstes den Raum vermessen und sind auf ca 20m² bzw. 49m³ gekommen. Außerdem haben wir die Heizung abgedreht und den Raum über Nacht abkühlen lassen.

Die Teelichtheizung haben wir auf einem Tisch, mittig im Raum platziert.
Und so sah das Ergebnis aus:

  • Testbeginn: 14°C
    1 Stunde: 14°C
    2 Stunden: 15°C
    3 Stunden: 15°C
    4 Stunden: 16°C

Wir haben den Test mehrmals wiederholt und nie mehr als 2° Unterschied feststellen können. Trotzdem kann man sagen: Test zum Teil bestanden. Immerhin haben wir nur 4 Kerzen benutzt, je nach Aufbauart nutzen Kerzenöfen bis zu 20 Kerzen und bringen daher weit mehr Leistung.

Fazit

Der Bau ist sehr einfach und kostengünstig. Insgesamt haben wir auch nur ca. 30 Minuten benötigt. Als vollwertiger Heizungsersatz ist der Kerzenofen nicht geeignet. Doch unsere Konstruktion ist, wie im Beitrag „Kerzenofen mit Multifunktion“ zu sehen, durchaus für verschiedene Zwecke nützlich.