Die Appstores sind voll mit Spielen die man angeblich gratis spielen kann. Und die Downloadzahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Spiele und Programme für die man nicht zahlen muss, sind extrem beliebt. Doch sieht man sich die Bewertungen genauer an, kommen oft schon erste Zweifel auf. Häufig liest man dann von „Pay to Win“. Aber was bedeutet das eigentlich?

Kurz zusammengefasst kann man sagen, das Spiel kann zwar theoretisch gratis gespielt werden, man hat jedoch nur dann eine Chance zu gewinnen oder vorwärts zu kommen, wenn man doch etwas bezahlt.

Kann ein Spiel wirklich gratis sein?

Es klingt halt wirklich verlockend! Etwas bekommen ohne dafür bezahlen zu müssen. Das Prinzip ist schon lange bekannt und wird oft auch fair umgesetzt. Anstatt das Spiel zu kaufen, wird einem z.B. Werbung angezeigt. So verdient der Programmierer Geld, obwohl die Nutzer nichts bezahlen. Sofern die Werbung nicht zu aufdringlich ist, können also beide Seiten zufrieden sein. Reich werden damit aber nur die wenigsten.

Ein gutes Spiel ist nicht mal eben von 1-2 Personen in einigen Tagen auf die Beine gestellt. Alleine das erstellen der Grafiken kann Wochen verschlingen. Spielmechaniken und Story-Inhalte erstellen dauert mindestens genau so lange. Dazu kommen noch Sounds, Tests und vieles mehr. Diese Zeit will natürlich bezahlt werden. Wer von uns arbeitet schon gerne gratis?

Mit Werbung können kleine Entwickler die Kosten hereinholen und sogar ein bisschen was verdienen. Große Studios können davon aber nicht leben.

Pay to Win

Hier kommt dann die 2. Methode ins Spiel. Und zwar wortwörtlich. Spieler werden motiviert, Geld für bzw. in ein/em Spiel auszugeben das an sich gratis ist. Das klingt im ersten Moment absurd, funktioniert aber so gut, dass man damit im besten Fall Millionen Euro verdienen kann.


Screenshot: War Robots / MSK News

Zum einen werden kosmetische Gegenstände angeboten. Also Dinge die keine Auswirkung auf das Spiel haben. Eine besondere Lackierung für das Rennauto, Uniformen oder anders aussehende Waffen gehören hier dazu. Da man sich damit keinen unfairen Vorteil verschaffen kann, spricht für uns nichts gegen derartige Angebote. Ob man für ein bisschen Optik wirklich Geld ausgeben möchte muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden.

Dann gibt es noch „Abkürzungen“. Damit kann man sich einen gewissen Vorteil verschaffen, indem man – natürlich gegen Bezahlung – Wartezeiten für Aufrüstungen usw. abkürzt. Oder man kauft sich Waffen und Gegenstände die man ansonsten über einen längeren Zeitraum kostenlos freispielen müsste. Das mag einen gewissen unfairen Vorteil bedeuten, finden wir aber auch noch vertretbar. Zumindest,sofern man alle kaufbaren Gegenstände auch kostenlos erhalten kann.

Richtig mies wird es, wenn man als Gratisspieler erst gar keine Chance hat und Entwickler dies ganz bewusst einsetzen um Geld zu machen. So ein Spiel ist für uns „War Robots“ das auf Steam gratis erhältlich ist.

War Robots

Das Spiel ist schnell erklärt. Man kämpft mit Kampfrobotern im Team gegen andere Spieler. Im Laufe der Zeit kann man sich weitere Roboter kaufen, diese mit Waffen ausrüsten und verbessern. Das ist kein revolutionär neues Spielsystem, aber für zwischendurch doch ganz unterhaltsam.

Wir haben War Robots angezockt und wollten es eigentlich an dieser Stelle empfehlen. Aber schon nach kurzer Spielzeit – wir empfehlen nur Spiele die wir tatsächlich selbst gespielt haben – fielen uns einige eigenartige Dinge auf.

Die ersten Spiele liefen noch recht gut. Wir bekamen nur wenig Schaden, konnte einige Kills erringen und gewannen alle Matches. Das ist allerdings nicht unser Verdienst und auch kein Zufall, sondern ist pure Absicht und gleichzeitig auffällig schlecht versteckt. Der Sinn ist, die Spieler zu motivieren. Das Spiel soll natürlich möglichst viel Spaß machen damit man es lange spielt.

Doch schon nach einigen Spielen wird man quasi durchgehend zum Opfer anderer Spieler. Die greifen einen mit viel stärkeren Waffen an als man selber hat, die Roboter halten mehr aus und binnen Sekunden ist der Kampf entschieden. Doch – was für ein Zufall – da kommt auch schon die erste Werbung für ein „Starter Pack“. Um nur knapp 10 Dollar bekommt man einen starken Roboter inkl. Bewaffnung und Ingame Währung. Noch dazu soll das Angebot nur kurze Zeit gelten.

Nach dem Frust der letzten Runden, in der man als bewegliche Zielscheibe für andere Spieler herhalten musste, ist die Versuchung bei einigen sicher umso größer, mit ein paar Euro nachzuhelfen, um höhere Gewinnchancen zu haben. Allerdings bleibt es nicht bei diesem kleinen Betrag!

Schon beim nächsten Login wurde Bildfüllend das nächste Angebot präsentiert. Ein Roboter mit angeblichen 82% Rabatt. Im Laufe der Zeit wurden die angebotenen, natürlich rein virtuellen (!), Artikel immer teurer.

Screenshot: War Robots / MSK News

Zwar kann man an dieser Stelle argumentieren, das Spiel wäre ja gratis und man müsse ja nichts kaufen, dass ist aber nicht ganz korrekt. Denn wer nicht bezahlt wird immer am unteren Ende der Punkteliste herumtümpeln und damit kaum Ingame Währung erhalten. Somit kann man seine Roboter und Waffen kaum aufrüsten. Doch selbst wenn, die Aufrüstung dauert „ewig“. Natürlich kann man auch da mit Geld nachhelfen…

Auch zahlende Spieler werden abgezockt

Das wirklich dreiste ist allerdings, dass auch Kunden die Geld ausgeben abgezockt werden. Denn es kommen laufend neu und vor allem stärkere Roboter dazu. Hat man sich also doch dazu entschlossen, einen Roboter zu kaufen, kann dieser bereits beim nächsten Update wieder deutlich unterlegen sein.

Tja, dann kauft man halt den nächsten Roboter und das ganze Drama beginnt von vorne. Lootboxen waren gestern, die Masche hat sich geändert. Nur eines bleibt immer gleich, die Unverschämtheit mancher Unternehmen…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.