Laut Auswertung der Mobilfunkdaten sind Herr und Frau Österreicher im aktuell 3. Lockdown viel häufiger unterwegs als noch in den ersten beiden Lockdowns. Nur noch um 20-25 Prozent haben wir angeblich unsere Mobilität reduziert. Sogar von asozialem Verhalten habe ich in diesem Zusammenhang schon gelesen.

Was sind wir nicht alle böse! Oder etwa doch nicht? Zeit für einen Faktencheck!

Wie die Daten erhoben werden

Verschwörungstheoretiker sollten an dieser Stelle unbedingt weiterlesen. Denn… wie soll ich es nur sagen… ihr hattet immer recht. Wir werden alle überwacht! Elektronisch und Vollautomatisch.

Nun ja, die Zeit in der man Abhörgeräte und Privatdetektive brauchte, ist lange vorbei. Heute hat (fast) jeder ein Handy und dieses auch noch meistens dabei. Das Handy verbindet sich automatisch mit dem nächsten Mobilfunkmasten und schon weiß der Betreiber, wo sich das Gerät befindet.
Bewegt sich nun das Gerät, verbindet es sich laufend mit anderen Mobilfunkmasten, damit die Verbindung nicht abreist.

Jeder Mobilfunkanbieter hat also Daten darüber, wo sich jedes eingeschaltete Gerät befindet und wo es sich in der Vergangenheit befand. Diese Daten werden anonymisiert und dann ausgewertet. So lässt sich vergleichen, ob die Menschen sich während des Lockdowns mehr oder weniger bewegen als z.B. eine Woche oder ein Monat davor.

Qualität und Aussagekraft

Auch wenn halbwegs nachvollziehbar ist wie die Daten erhoben werden, über die Qualität der Daten kann man nichts sagen. Das beginnt schon damit, dass wir selbst an einem Ort wohnen, wo die Netzabdeckung etwas bescheiden ist. Dadurch springen unsere Geräte immer wieder von einem Sender zum nächsten, je nachdem wo im Haus wir uns befinden. Wird das bereits als Bewegung erkannt?

Wie viele Menschen lassen das Handy (absichtlich) zu Hause liegen? Wie viele haben 2 Handys eingesteckt die auf unterschiedliche Personen angemeldet sind? Bei uns z.B. 1 Firmenhandy und 1 Privathandy.
Außerdem wird nicht berücksichtigt, dass sogar unser Gesundheitsminister immer wieder betont, dass Bewegung im Freien ,,wichtig und gesund“ ist.

Dank hirnloser Entscheidungen, wie z.B. dem Öffnen der Skigebiete, hat die Regierung selbst dazu beigetragen, dass die Österreicher mehr unterwegs sind. Alleine dadurch sind die Daten wenig aussagekräftig. Und dann beschwert man sich ernsthaft darüber, dass die Menschen nicht zu Hause bleiben?

Pflegeberufe, Handel und Co

Was mir besonders aufgefallen ist: Man spricht nie von den Personen, die aus beruflichen Gründen unterwegs sein müssen! Das sind gar nicht wenige, wenn man einmal genau darüber nachdenkt.

Beginnend bei Krankenhaus- und Pflegepersonal, dass sind alleine schon tausende Personen österreichweit, über Mitarbeiter und Angehörige von Rettung, Feuerwehr und Polizei bis hin zu Dienstleistern wie mir.
Na gut, bleiben wir halt alle zu Hause. Winterdienst? Pech gehabt! Autopanne? Kein Problem, der Pannendienst kommt gleich nach dem Lockdown! Reinigungskräfte, Schlüsseldienste, Produktionsbetriebe… soll ich weitermachen? Es gäbe noch unzählige Beispiele!

Der Lebensmittelhandel hat weiterhin geöffnet, Firmenkunden können weiterhin ganz normal im Baumarkt einkaufen. Privatkunden können bei vielen Handelsbetrieben Ware online reservieren und vor Ort abholen. Wir selbst haben das auch schon nutzen müssen als plötzlich unser Elektroherd kaputt wurde. Wie soll das alles funktionieren, wenn die Handelsangestellten nicht in die Arbeit fahren?

Fazit

Ganz sicher ist es nicht immer unbedingt nötig die eigene Wohnung zu verlassen. Manchmal braucht man das aber auch einfach damit einem nicht alles zu viel wird und man Kraft tanken kann. Gegen einen Spaziergang oder ausgedehnte Wanderung spricht ja auch gar nichts. Also warum wird dann nicht differenziert? Weil man es weder kann noch will!

Kein Mobilfunkanbieter kann feststellen, ob sich jemand aus beruflichen Gründen oder aus Spaß bewegt. So weit sind wir technisch zum Glück (noch) nicht. Medien wiederum wollen oft gar nicht differenzieren, eine reißerische Schlagzeile ist den meisten viel wichtiger…

Ich habe selbst auch das Gefühl, dass aktuell mehr Menschen unterwegs sind, als noch bei Lockdown 1 und 2. Da viele es sich aus beruflichen Gründen nicht aussuchen können, ist ein pauschaler Vorwurf allerdings fehl am Platz! Anstatt generell zu kritisieren, sollte man lieber die schwarzen Schafe bestrafen.

Corona-Partys feiern und auf Masken pfeifen, ist asozial. Seiner Arbeit nachgehen und sich im Freien erholen, sicher nicht!

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