Jeder Selbständige Unternehmer ist Mitglied bei der Wirtschaftskammer. Nein, dass ist kein Werbeslogan, die Mitgliedschaft ist Pflicht! Diese Mitgliedschaft ist, wie sollte es in Österreich auch anders sein, mit Kosten verbunden.

Gegründet wurde die Wirtschaftskammer 1946. 517.000 Betriebe gehören ihr an. Laut Eigenwerbung vertritt sie die Interessen der österreichischen Unternehmer. Zumindest als kleines Unternehmen merkt man davon allerdings oft nichts bis sehr wenig.

Als starke Stimme der Unternehmen setzen wir uns für eine zukunftsorientierte und wirtschaftsfreundliche Politik ein, z.B. für Steuerentlastung, Bürokratie-Abbau, Förderungen.

https://www.wko.at

Das klingt doch erstmal ganz gut. Aber blicken wir ein bisschen hinter die Kulissen, entdeckt man eine schwerfällige Konstruktion. Das beginnt schon damit, dass die Wirtschaftskammer aus 9 Landeskammern besteht. Und jede einzelne macht mehr oder weniger was sie will!

Große Unterschiede bei den Kosten

Die Wirtschaftskammer finanziert sich durch Gebühren, die jedes Zwangsmitglied zu entrichten hat. Doch Gebühr klingt so negativ, darum nennt die WKO es auch “Grundumlage“ und “Kammerumlage“.

Wie viel man zu bezahlen hat, hängt vom jeweiligen Bundesland ab. Eine einheitliche Regelung gibt es nicht. Mit den Umlagen ist aber noch lange nicht alles abgedeckt. Sie benötigen Rechtsberatung? Zahlen Sie! Sie benötigen einen Berufsausweis? Zahlen Sie noch einmal!

Beispiel 1: Ein Presseausweis, eine kleine bedruckte Plastikkarte, kostet alle 2 Jahre je nach Bundesland gar nichts (Wien) oder 23 Euro (Tirol). In Oberösterreich bezahlt man aktuell 12 Euro, da der “Unkostenbeitrag“ vorübergehend von 23 auf 12 Euro gesenkt wurde.

Eine schriftliche Anfrage, woraus sich der Unkostenbeitrag zusammensetzt, wurde telefonisch beantwortet. Es handle sich halt um die Gebühr für die Ausstellung. Ein Unkostenbeitrag ist also in Wahrheit eine Ausstellungsgebühr, gut zu wissen!

Beispiel 2: Die Grundumlage ist eine, jährlich zu bezahlende, Gebühr. Kurz gesagt zahlt man einen bestimmten Betrag um sein Gewerbe ausführen zu dürfen. Wie hoch diese Gebühr ist, setzt wiederum jede Landeskammer selbst fest. Es kann also gut sein, dass man für die gleiche Tätigkeit an einem anderen Ort das doppelte oder dreifache zu bezahlen hat!

Bürokratie ohne Ende

Wie war das noch gleich? Ach ja richtig, man setzt sich angeblich für einen ,,Bürokratie-Abbau“ ein.

Beispiel 3: Was darf ich und was nicht? Einfache Frage, schwierige Antwort!

Als Objektbetreuer darf man das gesamte Objekt betreuen, also Rasen mähen, den Winterdienst durchführen, kleine Reparaturen machen, Reinigen ausführen und was sonst rund um ein Objekt dazugehört. Klingt doch alles recht einfach, oder? Bis zu diesem Punkt schon. Aber:

  • Möchte man nur den Rasen mähen, muss man das Gewerbe Sommerdienst anmelden.
  • Möchte man nur Schnee räumen, muss man den Winterdienst anmelden.
  • Man darf Rasen mähen aber nicht vertikutieren. Dafür muss man Gärtner sein.
  • Man darf Pflanzen ausreißen aber nicht einsetzen.
  • Man darf den Gehweg reinigen aber nicht einen Fleck von der Wand putzen.

In der Praxis sieht das dann so aus: Man bietet die Objektbetreuung an und kümmert sich als Firma um ein Mehrparteienhaus oder ein Gewerbeobjekt. Soll man nun an einer anderen Adresse nur den Rasen mähen und eine dritte Person fragt nach Schneeräumung, muss man schon 3 verschiedene Gewerbe anmelden! Damit zahlt man natürlich auch 3 Mal die entsprechende Grundumlage.

Wir kennen Personen mit 5 Gewerbeanmeldungen. Das alles nur um der Arbeit legal nachgehen zu können. Wenn so der Abbau der Bürokratie aussieht, dann gute Nacht!

Service

Trotz langjähriger Erfahrung mit der WKO kann ich beim Thema Service nicht eindeutig positiv oder negativ urteilen. Ob man kompetente Auskunft oder eine abwimmelnde Antwort erhält, ist reine Glückssache.

Von ,,das ist halt so“ bis zu einer sachlichen und ausgiebigen Begründung ist mir schon alles untergekommen. Daher mein Rat: Nie mit einer abwimmelnden Antwort zufrieden geben, in die Fachabteilung verbinden lassen und im Zweifel eine schriftliche Antwort fordern!

Da man als Zwangsmitglied und den damit verbundenen Zwangsgebühren bereits die WKO finanziert, ist es schon nahezu frech, dass man für bestimmte Auskünfte noch extra bezahlen soll. Zumindest bei der Wirtschaftskammer Oberösterreich. Denn wir wissen ja, jede Landeskammer kann es regeln wie sie möchte…