Eine Zoofachhandlung hat vieles zu bieten. Futter, Zubehör und natürlich vor allem niedliche Tiere. Wer hat nicht selbst schon Hamster, Wellensittiche und Co. im Tiergeschäft beobachtet und vielleicht auch mit dem Gedanken gespielt, ein Tier mit nach Hause zu nehmen.

Hinter die Fassade der scheinbar heilen Welt kann man aber so gut wie nie blicken. Wir geben Ihnen nun die Gelegenheit dazu. Allerdings werden wir damit vermutlich auch einige Illusionen zerstören!

Über uns

Als ehemalige Zoofachhändler – sowohl als Angestellte als auch Selbstständig – wissen wir sehr genau, wovon wir reden. Wir hatten jahrelang Einblick in Großhandel und Handel sowie in Zuchtbetriebe und Importfirmen.

Und natürlich haben wir uns auch mit Angestellten und Inhabern anderer Tierhandlungen ausgetauscht. Leider wurden dadurch viele negative Eindrücke bestätigt.

Tiere

Woher kommen die Tiere?

Wenn man im Zoohandel nachfragt, woher die gehandelten Tiere eigentlich stammen, erhält man häufig die gleiche Antwort: Von einem österreichischen Züchter. Ja gut, dass Hamster und Kaninchen nicht auf Bäumen wachsen, ist den meisten klar. Aber wie der tatsächliche Weg eines Tieres bis zum Zoohandel ist, wissen nur wenige.

Es gibt natürlich Ausnahmen, doch die meisten Heimtiere stammen eben nicht vom kleinen Hobbyzüchter aus der Umgebung. Ganz im Gegenteil! Sie werden oftmals in großen Betrieben und in engen Käfigen im Ausland vermehrt. Denn nur so lassen sich die Kosten und damit auch die Einkaufspreise drücken.

Falls Sie uns nicht glauben, stellen Sie sich mal einen Tag vor ein großes Tiergeschäft und beobachten, wie viele Kunden mit Tieren herauskommen. Und dann fragen Sie sich, wie viele Tiere wohl täglich alleine in Österreich über den Ladentisch wandern. So viele kleine Züchter für die vielen unterschiedlichen Tiere, haben wir in Österreich gar nicht!

Ein Großhändler hat uns freimütig erzählt, dass er im Ausland einkauft und auch die Kleinanzeigen durchgeht und seinen Mitarbeiter losschickt um Tiere abzuholen, die verschenkt oder günstig verkauft werden!

Kranke und verletzte Tiere

Kranke und verletzte Tiere werden zum Tierarzt gebracht damit dieser sie behandelt. Danach werden sie gesund gepflegt. So wird es zumindest behauptet, leider stimmt es zumeist nicht.

Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass es die Chefs kaum interessiert, wie es den Tieren geht. Der Gewinn steht an erster Stelle. So deutete ein Inhaber seinem Mitarbeiter unmissverständlich mit den Händen, was er mit dem verletzten Wellensittich machen soll. Den Hals umdrehen ist halt gratis, eine Behandlung nicht…

Alte Tiere

Gerne wird behauptet, ältere Tiere – die niemand mehr kauft, weil jeder nur junge Tiere will – werden an den Züchter zurückgegeben. Ähhhmmm ja, klingt toll aber heißt auf Deutsch übersetzt: Die werden meistens zu Schlangenfutter!

Ich selbst konnte damals meinen Chef überzeugen, etwas zu ändern. Wir haben die älteren Tiere beim Kauf von Käfig und Zubehör, dazugeschenkt. Weniger Tiere zu bestellen war keine Option für ihn, denn die Kunden wollen eine große Auswahl. Hamster und Vögel in verschiedenen Farben, Kaninchen mit kurzem und langem Fell, 50 Arten Fische usw.

Tierhaltung

Die Tiere müssen möglichst schnell verkauft werden. Denn ältere Tiere will kaum jemand haben und jeder Tag kostet Geld für Futter, Einstreu usw.
Und beim Verkauf soll es natürlich schnell gehen, der nächste Kunde wartet oftmals schon und natürlich wird auch in dieser Branche am Personal gespart.

Nachtaktive Tiere haben keine Ruhe da sie immer wieder durch Personal oder klopfende Kunden aus dem Schlaf gerissen werden.

Nager

Es wird möglichst wenig Einstreu verwendet, in manchen Geschäften sitzen die Tiere beinahe am nackten Käfigboden. Material zum Nestbau gibt es selten. So spart man einerseits Geld und andererseits Arbeitszeit bei der Reinigung.
Auch an Verstecken wird gespart. So müssen potentielle Kunden nicht lange Ausschau nach den Tieren halten und das einfangen geht bedeutend schneller.

Allerdings erzeugt das bei den Nagetieren oft Stress. Auch weil Einzelgänger in Gruppen gehalten werden. Hamster und Mäuse die sich gegenseitig zu Tode beißen sind keine Seltenheit!

Vögel

Ein großer Käfig mit vielen Sitzstangen und Beschäftigungsmöglichkeiten wäre toll, würde aber das Einfangen der Vögel erschweren. Darum werden die Käfige möglichst spartanisch eingerichtet. Ein paar Sitzstangen und am Boden noch etwas Sand, fertig. Auch bei Vögel kommt es dadurch zu Stress und gegenseitiger Verletzung.

So sieht man immer wieder aufgeplusterte oder halbnackte Tiere. Als Ausrede dient dann die sogenannte Mauser.

Foto: MSK News

Fische

Fische sind ein besonderes trauriges Kapitel, denn ihnen sieht man das Leid nicht an. 10% Ausfall – also tote Tiere! – sind keine Seltenheit. Im Sommer kommt es aufgrund der Hitze und oftmals hunderten Kilometer Transportweg sogar manchmal dazu, dass ein Beutel mit 50-100 Tieren komplett entsorgt wird, weil die Fische den Transport nicht überlebt haben. Oder die Behandlung von Krankheiten zu teuer wäre und die Tiere lieber entsorgt und beim Großhandel reklamiert werden.

Die Aquarien sind lieblosest eingerichtet. Pflanzen, Höhlen und weitere natürliche Verstecke fehlen komplett, sie würden den Fischfang erschweren. Manche Händler gönnen den Tieren noch nicht einmal Kies!

Foto: MSK News

Überfüllte Becken, mehrere Arten die sich in der Natur nie begegnen würden und die ständige Störung durch an die Scheibe klopfende Kunden und fischfangende Mitarbeiter, führt unweigerlich zu Stress. Dadurch kommt es zu Revierkämpfen und dem Ausbruch von Krankheiten.

Immer wieder trifft man auch auf sogenannte Blockfilteranlagen. Das heißt, das Wasser mehrerer Aquarien wird über den gleichen Filter gereinigt. Krankheiten und Parasiten können sich so noch einfacher verbreiten.

Reptilien

Besonders exotische Tiere stellen große Ansprüche an ihre Haltung. Ansprüche die man durchaus erfüllen kann. Aber nicht, wenn an allem gespart wird und den Mitarbeitern keine Zeit bleibt, sich darum zu kümmern! Sofern sie überhaupt über die notwendigen Kenntnisse verfügen. Doch dazu kommen wir gleich!

Hunde und Katzen

Erst erlaubt, dann verboten und danach doch wieder erlaubt. So oder so, Hunde und Katzen in Geschäften anzubieten ist höchst problematisch. Welpen die ohne Elterntiere hinter Glas sitzen, können nie die gleiche Sozialisierung erfahren wie Tiere die in einer Familie aufwachsen. Wer jetzt denkt „es ist ja nur für ein paar Tage oder Wochen“, ist herzlich eingeladen, sich selbst für diese Zeit in ein Schaufenster zu setzen…

Sind die Mitarbeiter schuld?

Niemand will kranke, verletzte oder gar tote Tiere sehen. Daher werden alle Tierbehälter mehrmals täglich darauf kontrolliert. Für den Kunden muss alles perfekt aussehen, die heile (Tier-) Welt wird vorgegaukelt.

Die Angestellten könnten doch auch einfach mehr Einstreu benutzen, die Käfige schöner einrichten und auf die Gesundheit der Tiere achten. So gesehen könnte man – zumindest auf den ersten Blick – auch den Mitarbeitern Schuld an der Situation geben. So einfach ist es jedoch leider nicht!

Für Missstände gibt es meistens mehrere Gründe. Betriebsmittel – also Einstreu, Futter usw. – müssen genau protokolliert werden. Oft gibt es Vorgaben, wie viel verwendet werden darf, wie man damit auskommt interessiert hingegen nicht. Oftmals wird ein günstigstes Mischfutter für mehrere Tierarten eingesetzt. Das Rennmäuse, Hamster und Kaninchen nicht das gleiche fressen ist klar, wird aber in Kauf genommen. Hauptsache billig.

Das führt mitunter dazu, dass Mitarbeiter von ihrem Privatgeld Einstreu, Einrichtung und Futter kaufen um den Tieren etwas gutes zu tun. Leider führt das wiederum dazu, dass einige Chefs erst recht sparsam sind, die Angestellten kaufen ja eh was…

Beratungsqualität

Wer ein Fachgeschäft betritt, erwartet zurecht kompetente Beratung. Nur wird diese Erwartung oftmals nicht erfüllt… und hier sehen wir durchaus auch die Angestellten in der Pflicht!

Im Zoohandel findet man häufig ungelernte Kräfte. Das ist im Handel nicht ungewöhnlich, führt hier jedoch schnell zu Problemen. Selbst alltägliche Situationen werden neuen Mitarbeitern oft nicht (oder nicht richtig) gezeigt. Einen Hamster einfangen, Fische füttern, Käfige reinigen usw. gehört genau so dazu wie die Beratung zu richtiger Haltung und Ernährung der Tiere.

Personalmangel ist auch hier ein Hauptgrund für Probleme. Nicht selten trifft man in kleineren Läden auf nur 1-2 Vollzeitkräfte. Diese sollen Verkaufen, Tiere versorgen, Bestellungen machen, Ware übernehmen, Regale betreuen, Kassieren… und daneben noch jemanden einschulen!?

Allerdings scheitert es auch immer wieder am Interesse an der eigenen Arbeit. Wenn man als Kunde nach dem Unterschied von zwei Futtersorten fragt und als Antwort „woher soll ich das wissen, ich verkaufe das nur“ erhält, könnte man das durchaus verbesserungswürdig nennen. Oder wenn man gebeten wird, doch morgen wieder zu kommen, da die nette Dame von sich selbst sagt, dass sie schon „einige Fische beim fangen zerquetscht“ hat und die Kollegin das viel besser könne.

Kontrollen

Bei all dem was wir bisher geschrieben haben fragt sich wohl so mancher, wie das möglich sein soll. Immerhin gibt es Gesetze, Haltungsvorschriften und Kontrollen durch den Amtstierarzt. Nun, Kontrollen gibt es generell sehr selten. Sofern keine Anzeige vorliegt, sieht man den Amtstierarzt nur alle 1-2 Jahre für ein paar Minuten. Und dieser soll prüfen, ob die vorhandenen Tiere überhaupt gehandelt werden dürfen, ob alle Papiere korrekt sind, die Gehege, Aquarien, Terrarien usw. in Größe, Art und Einrichtung den Vorschriften entsprechen usw. Allerdings hat ein Amtstierarzt viel mehr Aufgaben als nur Zoohandlungen zu besuchen!

Unser Geschäft

Wir waren Idealisten und wollten alles besser machen als die anderen. Wie es nicht geht und man Tiere auf möglichst billige Art so lange versorgt bis sie endlich verkauft werden, wussten wir ja bereits. Genau das wollten wir nicht und wir hatten große Pläne!

1 Jahr Planungszeit haben wir uns genommen. Wir orientierten uns nicht an den Mindestgrößen für Käfige, Aquarien und Terrarien, wir wollten alles möglichst artgerecht und großzügig gestalten. Und das haben wir auch! Große Gehege mit vielen Verstecken und Beschäftigungsmöglichkeiten die wir mit viel Liebe gestalteten.
Wir kauften keine billigst importierten Tiere sondern suchten uns kleine Züchter mit vernünftigen Haltungsbedingungen.

Und dennoch – oder gerade deshalb – ging es gründlich schief. Nach ca. 5 Jahren verzichteten wir komplett auf den Tierverkauf, die Kosten waren einfach zu hoch. Denn eines hatten wir nicht bedacht: Die meisten Kunden interessiert es einen Dreck woher die Tiere kommen und unter welchen Bedingungen diese importiert oder gezüchtet werden. Hauptsache sie sehen niedlich aus und sind günstig. Der Preis ist das wichtigste Kaufkriterium…

Wir mussten uns entscheiden die Tiere günstiger zu halten, also an Futter, Platz und Einrichtung zu sparen, oder auf den Verkauf zu verzichten. Darum haben wir uns für letzteres entschieden!

Fazit

Es gibt durchaus gute Zoofachhandlungen die ihre Tiere korrekt und möglichst artgerecht halten. Doch lässt sich das für jemanden ohne Hintergrundwissen nicht so einfach beurteilen. Und überprüfen woher die Tiere stammen, kann man schon gar nicht.

Meistens handelt es sich bei den empfehlenswerten Geschäften um kleine Shops die von Tierliebhabern geführt werden. Leider werden diese Shops immer weniger, da sie gegen die großen Konzerne kaum bestehen können.

Wir haben uns entschieden, nur noch in Geschäften einzukaufen, die keine Tiere zum Verkauf anbieten. Wenn wir uns ein Tier kaufen, dann nur direkt beim Züchter und wenn wir uns die Haltungsbedingungen vor Ort ansehen dürfen.

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