Die Vorfälle nehmen kein Ende, ständig sind Hundeangriffe in den Schlagzeilen. Leider enden solche Vorfälle auch immer wieder tödlich und viele Kinder sind unter den Opfern.

Entsprechend emotional verlaufen die Diskussionen. Hundehasser und Hundeliebhaber schmeißen sich gegenseitig Vorwürfe an den Kopf. Und jeder glaubt genau zu wissen, wer oder was Schuld war. Die wahren Opfer geraten da oft in den Hintergrund!

Über uns

Wir sind selbst Hundehalter und mit verschiedenen Tieren aufgewachsen. Auch haben 2 von uns berufliche Erfahrung mit Hunden. Und wir haben bereits selbst Angriffe von Hunden erlebt, aber auch häufig schwere Fehler im Umgang mit den Tieren. Das hat uns zu diesem Artikel bewegt.

Wir lieben unsere Hunde sehr und vertrauen ihnen absolut in Bezug auf uns selbst! Sie kennen uns seit dem Welpenalter, sind Teil unserer Familie und werden auch so behandelt. Konsequente und gewaltfreie Erziehung, klare Grenzen und Respekt sind essentielle Bestandteile unseres Zusammenlebens.

Doch niemals würden wir ein Kleinkind mit ihnen alleine lassen oder blind darauf vertrauen, dass nie etwas passieren kann! Hunde sind keine Maschinen (und selbst die machen Fehler)!

Bekannte Fälle

  • Am 19. November 2019 wurde bekannt, dass eine 29jährige schwangere Frau in Frankreich zu Tode gebissen wurde. Sie soll von Jagdhunden angegriffen worden sein.
  • Anfang November 2019 wurde ein dreijähriges Mädchen in Kapelln (Niederösterreich), angeblich von einem freilaufenden Hund gebissen. Sie erlitt eine Bisswunde am Oberarm. Auch eine genau Beschreibung des Tieres wurde veröffentlicht. Jedoch stellte sich bald heraus, dass nicht ein fremdes Tier, sondern der eigene Familienhund zubiss.
  • Auch mit Diensthunden gibt es immer wieder Vorfälle. Am 13. November 2019 kam es gleich zu 2 Angriffen, einer davon verlief sogar tödlich!
    Bei einer Übung von Bundesheer und Polizei am Gelände der Gablenzkaserne (Steiermark), wurde ein unbeteiligter Bundesheer-Bediensteter von einem Sprengstoffspürhund in den Arm gebissen.
    Warum der Bereich der Übung nicht entsprechend abgesichert war und der Hund den Mann angriff, ist noch nicht abschließend geklärt.
  • Der 2. Angriff ereignete sich in der Flugfeld-Kaserne in Wiener Neustadt.
    Dort wurde ein 31jähriger Soldat von 2 belgischen Schäferhunden getötet. Er erlitt massive Bisswunden an Hals, Nacken und Oberschenkel und verblutete hilflos.

    Gefunden wurde der Diensthundeführer erst gegen 2 Uhr Morgens, als die freilaufenden Schäferhunde bemerkt wurden. Eine „schwere Konfliktsituation“ soll zu dem Angriff geführt haben.

Gründe

Der tut nix

Der tut nix! Der will nur spielen! Ich kenne meinen Hund!

Das hört man regelmäßig, aber kein vernünftiger Hundehalter wird dem zustimmen. Dabei möchten wir den angesprochenen Hundehaltern zu gute halten, dass sie oftmals nicht bewusst lügen, sondern tatsächlich davon überzeugt sind, dass ihr Hund harmlos ist.

Wenn der Irrtum klar wird, ist es oftmals schon zu spät!

(Falsche) Erziehung

Gewalt und Zwang sind keine Erziehungsmethoden, sondern Auslöser für verängstigte und/oder aggressive Hunde. „Angstbeißer“ werden nicht umsonst so genannt. Ein Schreck kann ausreichen um sie durchdrehen zu lassen.

Bestimmte Reize können außerdem aggressives Verhalten auslösen. Wird ein Hund z.B. ständig mit einer zusammengerollten Zeitung geschlagen, wird er sich das merken. Sollte dann jemand eine Zeitung in der Hand halten, dem sich der Hund klar überlegen fühlt, kann dies einen Angriff auslösen. Erst recht, wenn diese Person selbst aggressiv auftritt oder Schwäche (Trunkenheit, Sturz) zeigt.

Diensthunde hingegen werden speziell darauf trainiert, Menschen anzugreifen. Auf Befehl, aber auch ausgelöst durch das Verhalten von „verdächtigen“ Personen. Wozu das führen kann, sieht man am Beispiel des Unfalls in der Gablenzkaserne (siehe oben).

Es gibt jedoch auch das komplette Gegenteil. Hunde die ein Leben lang wie Babys behandelt und rund um die Uhr behütet werden. Das kann dazu führen, dass der erwachsene Hund falsch reagiert, weil er als Welpe keine Erfahrungen machen durfte. Ein raschelnder Müllsack wird ausgiebig verbellt, ein lautes Geräusch (z.B. Donner) veranlasst den Hund panisch abzuhauen usw.

Falsches Verhalten

Hier nur einige Beispiele für falsches Verhalten gegenüber Hunden. Die vollständige Liste wäre unendlich lang…

Stellen Sie sich vor, eine fremde Person die Sie auf der Straße treffen, greift Ihnen einfach ins Gesicht und berührt Sie am ganzen Körper. Das finden Sie wenig begeisternd? Aber genau so ergeht es unzähligen Hunden täglich! Im Idealfall wird der Vierbeiner es tolerieren oder versuchen, sich zurückzuziehen. Auf jeden Fall bedeutet es unnötigen Stress. Fremde Hunde sollte man daher besser nicht streicheln!

Jeder Hund braucht Rückzugsmöglichkeiten. Sei es sein Hundebett unterm Tisch, eine Hundehütte oder die Decke im Vorraum. Dieser Ort sollte unbedingt als Ruheplatz respektiert und Kinder sowie fremde Personen davon ferngehalten werden.

Die Angst vor Hunden führt auch immer wieder zu stressigen und teils gefährlichen Situationen. Da werden Kinder plötzlich von besorgten Eltern hysterisch vom Hund weggezogen. Oder laut schimpfend die Straßenseite gewechselt weil ein „gefährlicher Kampfhund“ entgegenkommt.

Angst und Schmerzen

Kranke oder verletzte Hunde reagieren empfindlicher auf Stress, laute Geräusche usw. und können zuschnappen um sich zu verteidigen. Das gilt natürlich auch, wenn man Hunden unabsichtlich Schmerzen zufügt oder sie erschreckt.

Dadurch kommt es leider auch immer wieder zu gefährlichen Situationen mit kleinen Kindern. Sie meinen es nicht böse, ziehen aber am Schwanz, an den Ohren oder greifen ins Gesicht des Tieres. Das ist weder süß noch muss irgend ein Tier so etwas tolerieren.

Darum sollte man sehr kleine Kinder nie alleine mit Hunden lassen und Kindern den richtigen Umgang mit Tieren lernen!

Ignoranz

Leider müssen wir an dieser Stelle auch festhalten, dass sich oftmals die Hundehalter selbst falsch verhalten. Leider deshalb, weil gerade Hundehalter wissen müssten, dass sie mit der Anschaffung eines Tieres auch jede Menge Verantwortung übernehmen!

Die Leinen- und/oder Maulkorbpflicht wird regelmäßig ignoriert. Halter schaffen es oft nicht einmal, ihren Fiffi zurück zurufen. Hund läuft mitten auf der Straße, Frauchen hinterher. Herrchen steht bettelnd am Wegrand und versucht seinen Hund irgendwie dazu zu bewegen, doch das Reh in Ruhe zu lassen. Alles Situationen die wir in diesem Jahr mehrfach erlebt haben!

Urteile

Die Urteile nach Hundeangriffen fallen unserer Meinung nach, sehr milde aus.

  • Eine 87jährige Frau wurde am 16. März 2019 von 3 Wachhunden gebissen. Die Hunde waren einem Unternehmer ausgerissen.
    Doch das war nicht der erste Vorfall mit diesen Hunden! Bereits ca. 1 Monat zuvor war eine 46jährige Frau gebissen worden, die mit ihren beiden kleinen Söhnen unterwegs war. Und davor wurde eine Joggerin Opfer dieser Hunde.

    Und auch 2018 soll es mit den Hunden bereits Vorfälle gegeben haben, der Besitzer zum wiederholten Male wegen fahrlässiger Körperverletzung angezeigt.

    Das – nicht nur für uns – unfassbare Urteil: 5040 EUR Geldstrafe, dem Unternehmer wurde erneut Diversion angeboten! Eine Vorstrafe hat er, sofern er annimmt, dadurch keine. Die Hunde wurden dem Mann im März 2019 abgenommen.
  • Die Besitzerin eines Rottweilers wurde zu 18 Monaten Haft, davon 6 Monate unbedingt, verurteilt. Ihr Hund hatte sich losgerissen und 2018 einen 17 Monate alten Jungen getötet. Die Hundehalterin war zu diesem Zeitpunkt stark betrunken, der Rottweiler hatte keinen Maulkorb angelegt. Bereits zuvor hatte der Hund eine Person verletzt.

Fakten und Irrtümer

  • Kein Hund kommt böse auf die Welt! Erlebtes und falsche Erziehung können jedoch dazu führen, dass ein Tier gefährlich wird.
  • Perfekt erzogene Hunde die im familiären Umfeld herangewachsen sind, sind nicht automatisch ungefährlich. Wie auch Menschen können sich Tiere erschrecken oder Schmerzen haben und dadurch ungewohnt reagieren.
  • „Kampfhunde“ sind tatsächlich gefährlicher als viele andere Rassen. Jedoch nicht, weil sie häufiger zubeißen oder generell aggressiver wären! Sondern weil sie durch Körperbau, Statur und Beißkraft, schwerere Verletzungen verursachen können.
  • Alleine das österreichische Bundesheer hat über 70 Diensthunde. Darunter Rottweiler, Schäferhunde und Labradore. Zugriffshunde werden gezielt darauf trainiert zu töten! Solche Hunde sind immer ein Risiko, da sie gelernt haben, selbstständig auf (vermeintliche) Bedrohungen zu reagieren. Und dadurch kann es zu gefährlichen Fehlern kommen.
  • Ein Hund der nicht mit allen anderen Hunden spielen will oder auf Abstand zu fremden Menschen geht, ist noch lange nicht böse oder aggressiv. Vermeidung ist auch eine Art der Konfliktbewältigung. Auch wir Menschen lassen nicht von jedem anderen die gleiche Nähe zu!
  • Statistiken lügen nicht, zeigen aber auch nicht die ganze Wahrheit. Je nach Untersuchungsart, Zeitraum und weiteren Parametern kommen komplett unterschiedliche Ergebnisse heraus. Auffallend ist jedoch, dass Rassen wie Schäferhund, Spitz und Dackel häufig weit oben in der Vorfallsliste auftauchen und nicht die berüchtigten „Kampfhunde“.

Die Opfer

Nicht nur die gebissenen Menschen und Tiere sind Opfer. Auch die beißenden Hunde selbst. Hunde die „scharf gemacht“ werden, als Welpe keine Rangordnung und Sozialisierung erfahren haben, geschlagen und misshandelt wurden, sind eine tickende Zeitbombe. Aber dafür können sie nichts! Oft bezahlen sie dafür dennoch mit ihrem Leben!

Die wahren Schuldigen kommen hingegen meistens mit sehr geringen Strafen davon.

Unsere Methode

Nein, unsere Hunde sind nicht perfekt und schon gar nicht perfekt erzogen! Sie sind nunmal keine Roboterhunde. Doch sie wissen sich zu benehmen, kommen auf Zuruf sofort zurück und sind auch sonst sehr folgsam.

Von klein auf wurden sie an verschiedenste Dinge gewöhnt. Straßenverkehr, Lärm, Kinder, Autofahrten um nur einiges zu nennen. Das geht natürlich nicht über Nacht und die Zauberworte lauten Konsequenz und Geduld!

Ein besonderes Augenmerk haben wir auf die Stresstoleranz gelegt. Situationen die Hunde gar nicht mögen, aber im Alltag durchaus vorkommen können, haben wir regelmäßig geübt.
So ist es nun kein Problem, wenn jemand beim fressen in die Futterschüssel oder nach dem Lieblingsknochen greift. Oder wenn ein kleines Kind zu schreien anfängt, es laut knallt oder unsere Hunde überraschend angefasst werden.

Das ist noch lange keine Garantie, dass nie etwas passieren wird. Das Training reduziert die Gefahr von Unfällen jedoch beträchtlich!

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